Redesign Reality

Wie kann so ein Prozess ablaufen?
Erfahrungen Redesign Reality

"Blau geht gar nicht für mich!"
Ein neues Branding entsteht.

„Blau? Blau ist so gar nicht meine Farbe! Außer Jeans besitze ich nicht einmal etwas Blaues“, sagt Aline-Florence und schaut mich beunruhigt an. Wir sind gerade mitten in einer Aufstellung, in der es um die Brand-Farben für ihre neues Business geht.

Sie hatte ein dunkles Waldgrün mit Beige als Idee mitgebracht. Die Farbe Grün, könnte man meinen, wäre sehr passend zu ihrer Business Idee. Sie möchte sich mit Coachings und Beratung für Unternehmen selbstständig machen, bei denen die Natur integriert wird oder teilweise in der Natur stattfinden sollen. Meine erste Reaktion auf ihre Farbvorstellung war: Das ist mir zu offensichtlich. Jede Bio-Marke ist grün, ich finde es zu flach. Da sie offen für neue Vorschläge ist, habe ich mich, wie ich das üblicherweise mache, frei in ihr Feld gestellt. Erst kommt mir ein Karamellbraun, das sich mit der warmen, vollen Energie ihres Herzens verbindet und es stärkt. Es macht sie auch ruhig, geerdet und souverän. Doch dann taucht dieses helle Blau auf. Ich spüre, dass sie dem Prozess und mir Vertrauen möchte, aber ihre Mimik lässt keinen Zweifel zu, sie kämpft. Ich allerdings fühle die luftige, zarte Frische, die diese Farbe mit sich bringt und die ihr gut tut.

Also verschaffe ich uns etwas Raum und sage zu ihr: „Wenn du damit am Ende gar nicht kannst, finden wir etwas anderes. Aber wenn das Feld es so zeigt, hat es eine Relevanz.“ Mit meiner Erfahrung in der Aufstellungsarbeit weiß ich, dass nichts umsonst kommt. „Geh mal ein paar Tage mit diesen Farben, guck wo du ihnen begegnest und was das mit dir macht.“

Und tatsächlich, zur nächsten Session erzählt sie mir aufgeregt: „Das war so krass! Gestern saß ich am See, habe aufs Wasser geguckt und mich auf das Blau konzentriert. Und versucht, mich über dieses wunderschöne Element, Wasser, mit dieser Farbe in mir anzufreunden. Weißt du, was dann passiert ist? Mir kam die Idee für meinen Business-Namen: Tides (engl. für Gezeiten)“

„Das verstehen bestimmt viele im deutschsprachigen Raum nicht“ wende ich ein, bin aber neugierig, mir das systemisch anzuschauen. Also stelle ich mich mit der Frage in den Raum, ob dieser Name ein Beitrag für ihr Business ist. Ich werde von der Heftigkeit der Energie überrumpelt. Ich fühle die Gezeiten als riesen Naturgewalt. Es ist fast zuviel für meinen Körper, ich muss tief durchatmen, mich entspannen und weit machen, um diese überhaupt halten zu können. Mit leicht wackeligen Beinen stehe ich irgendwann da, und bin mir meiner Größe bewusst und dem Gefühl, dass sie hier noch reinwachsen muss. Ich frage nun, ob diese Energie sie als Coachin und Beraterin unterstützt. Ich fühle mich mit einer großen Urkraft verbunden, aber mir fehlt ein Zugang, um mich mit den Menschen zu verbinden. Also suchen wir einen Zusatz, den das Konzept von „Tides“ menschlicher macht. Wir bleiben vorallem bei „Tides of change“ (engl. für Gezeitenwandel) hängen. Das macht die Verbindung schon weicher. Rein rational kann ich das ebenso verstehen. Bei „tides of change“ verstehen wir Deutschen schon eher, um was es geht.

Zur nächsten Sitzung bringt sie eine neue Subline mit: „Tides – Nature driven coaching and consulting“. Ich stelle mich dafür rein und fühle es rund und kraftvoll. Das war der Zusatz der gefehlt hat, um es den Menschen näher zu bringen. Außerdem kann ich nun deutlich erkennen, welche Qualität die Energie der Gezeiten für sie mitbringt. Die Gezeiten sind riesige Naturkräfte, die sich bewegen, und wenn sie damit verbunden ist, verschafft es ihr einen Überblick. Sie ist kein Spielball, wird nicht mitgerissen, sondern hat einen Draufblick, wie die Ströme fließen. Ein großes Unternehmen ist ebenso in große Kräfteströmungen eingebunden. Es ist mit politischem Geschehen verwoben und ist von sozialen und ökologischen Themen beeinflusst und hat Einfluss.
Die Energie der Gezeiten hilft ihr, auch über diese Energieströme einen Überblick zu behalten, und ist ihnen damit gewachsen. Diese Erkenntnis fand ich sehr beeindruckend.

Zwei Wochen später erzählt sie mir lachend, dass sie darüber nachdenke, das neue Iphone zu kaufen. Es schimmert so schön hellblau. „Ich bin so verblüfft darüber, anscheinend habe ich mit dieser Farbe Frieden geschlossen“.
Ein neues Armband habe sie von ihrer engsten Freundin auch geschenkt bekommen, in ihren neuen Brand-Farben… „Ja, Blau ist auch dabei!“

28 Jahre Selbstständigkeit bekommen ein Rebranding

„Ich will meinen goldenen Kreis nicht loslassen, ich hänge an ihm“, sagt Doris immer wieder, obwohl ich ihr ein paar ganz neue Logovarianten vorgeschlagen habe, die meiner Meinung nach gut zu ihr passen würden. Seit 28 Jahren ist sie selbstständige Fotografin. Seit ein paar Jahren lässt sie ihre Erfahrungen im Coaching-Bereich einfließen und führt ihre Kund*innen vor dem Shooting durch einen persönlichen Prozess, in dem sie mit ihrer Essenz und Vision in Berührung kommen. Das sieht man den Fotos deutlich an.

Obwohl ihr die Vorschläge gefallen, kommt sie immer wieder auf ihren goldenen Kreis mit ihren Initialen darin zurück, den sie gerne integriert hätte, auch wenn er aus meiner Sicht nicht dazu passt.

Ihre Initialen „DS“ finde ich rein optisch, von der Form her, nicht sehr harmonisch und es sagt nicht viel aus. Da ich merke, dass wir nicht weiterkommen, schlage ich vor, mich in den goldenen Kreis als Gestaltungselement in einer Aufstellung hineinzufühlen, um zu sehen, was da alles drinsteckt und warum sie so daran hängt. 

Alle Elemente der Gestaltung tragen ihre eigene Energie und gerade die, die uns schon lange begleiten, tragen oft die Energie aus der Zeit, in der sie entstanden sind.

Als ich mich in das Element hineinfühle, spüre ich Trotz: „ich habe damals Pionierarbeit geleistet. Als ich das vorherige Logo abgelöst habe, habe ich was ganz Neues mitgebracht, nämlich die Verbindung zum Universum. Ich sehe nicht ein, warum ich jetzt nicht mehr dazugehören soll.“ Spreche ich in der Position des goldenen Kreises aus. Ich spüre den goldenen Kreis als kraftvolles Element und bin dann doch überrascht wie wichtig er ist.

Ich habe dann die Idee, die Initialen mit etwas anderem zu ersetzen, auch da sträubt sich Doris zunächst: „Mir gefällt das, sie sind so schön geschwungen.“ Also schlage ich vor, den eleganten Schwung der Buchstaben beizubehalten und in einem anderen Symbol auszudrücken. Die Idee für das Symbol kommt mir schnell. Sie hat seit kurzem eine neue Subline: „die mit dem dritten Auge“, die ihre neue Positionierung ausdrückt. Sie hat einen besonderen Blick und sieht mehr als das Offensichtliche.
Von meinem Vorschlag, dieses Auge als Symbol auf dem goldenen Kreis zu verwenden, ist sie sofort begeistert. „Die Eleganz die du in den Initialen siehst, lässt sich in den Linien ausdrücken.“

In der nächsten Session geht es um ihre Brand-Farben. Sie hat seit vielen Jahren ein leuchtendes Türkis als Hauptfarbe, in Kombination mit Gold. Sie erzählt mir, dass sie früher viel surfen war und dass es zu ihr gepasst hat. Ich sehe so viel mehr bei ihr, was danach angereift ist und in ihrem Branding noch keinen Ausdruck findet. Die Schrift kommt mir brav und oberflächlich vor, das Türkis erschlägt etwas. Ihre warme, einfühlende Seite und ihre Tiefe kommen im aktuellen Branding nicht raus. Sie ist eine strahlende Frau, das Türkis überdeckt sie eher, als dass es sie unterstützt. Sie strahlt selber genug, sie braucht das nicht. Sie sagt selber, sie wünscht sich etwas Erwachseneres, das Türkis gehört in eine andere Zeit.

Das Gold darf bleiben, darin sind wir uns schnell einig. Ich stelle mich in ihr Feld und schnell kommt ein zartes Salbeigrün zu mir das eine fröhliche Ruhe mit sich bringt. Als Designerin erkenne ich, dass es sich  anbietet für sie als Fotografin. Auf ihrer Website sollen ihre Fotos herausstechen, da ist eine zurückgenommenere Farbe von Vorteil. Dann kommt noch ein tiefes Blau zu mir. Wir beide fühlen wie die Kombination der Farben ihr gut tun. Das Blau bringt eine Tiefe mit, das Grün eine frische Zartheit und das Gold ihr Strahlen.
Sie ist sehr glücklich mit dem Redesign ihres Brandings: „Irgendwie ist alles neu, aber der Ursprung ist erkennbar.“

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